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Olaf

Afu-Novice

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Über mich: - 1978-1980 CZ Jena (Feinmechanikerlehre), OHS LSK/LV Franz Mehring
- 1980-1987 HU Berlin, Sektion Physik (Meteorologiestudium)
- 1987-1990 ZFWW LSK/LV Fuerstenwalde (Satellitenmeteorologie)
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- 1991-1993 GTA Ingenieurbuero fuer Geoinformatik Neubrandenburg
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Montag, 23. Oktober 2017, 21:04

Ergebnisse einer Metastudie

Zu den Langzeitrisiken von Elektrosmog
==================================
Zum Autor:
==========
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Hecht_(Physiologe)

Als Funkamateure zaehlen wir zur Klasse der "potentiellen Verursacher" von Elektrosmog.
Das Phaenomen wird aeusserst kontrovers diskutiert. Es ist uns aber kaum moeglich,
Wahrheit und Fiktion in dieser Angelegenheit voneinander zu trennen.
Die Ursache dafuer liegt auf der Hand: es gibt keine eindeutigen Metriken zur Bewertung der
Auswirkungen von Elektrosmog auf den menschlichen Koerper.
Richtig ist jedoch, dass sich der menschliche Koerper einer streng
mathematisch-physikalischen Beschreibungsweise entzieht. Wer leidet geht zum Arzt, und nicht zum
Physiker oder Physikochemiker.
Die Sicht und Herangehensweise des Mediziners ist daher in viel staerkerem Masze
von der Empirie gepraegt, als die des laborierenden, observierenden und kalkulierenden Physikers (und Funkamateurs).
Um an den Kern der Sache heranzukommen ist es notwendig, ernste Wissenschaft von Quacksalberei
zu trennen. Der Autor (Physiologe und Weltraummediziner) ist jedenfalls hinsichtlich
seines Lebenswerkes ueber jeden Zweifel erhaben.
Ich wollte euch die Studie daher einfach zur Kenntnis geben (habe sie noch nicht im Detail studiert;
es geht nicht explizit um Amateurfunk).
Man sollte versuchen zu verstehen, was verstanden werden kann und zu wissen, was wissbar ist.

vy 73
Olaf
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dl4wg

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Donnerstag, 26. Oktober 2017, 15:16

RE: Empirik vs. mathematisch-physikalische Betrachtungsweise

Richtig ist, denke ich, daß sich der menschliche Körper in seiner Gesamtheit einer "streng mathematisch-physikalischen Betrachtungsweise" entzieht.
Die unmittelbare physiologische Wirkung elektromagnetischer Energie, insbesondere bezüglich der Entstehung von Krebserkrankungen, muß jedoch ausschließlich unter diesem Aspekt gesehen werden, wenn man annimmt, daß Krebs durch in diesem Fall von außerhalb des Körpers induzierten Veränderungen auf molekularer Ebene ausgelöst wird. Aus einer Forendiskussion (Link s. u. und nicht auf meinem Mist gewachsen) sei zitiert:

"Vor ca. 100 Jahren hat Einstein einen Versuch erklärt indem er annahm,
daß Elektronen nur dann von Licht aus dem Metall geschleudert werden,
wenn die absorbierte Energie eine bestimmte Mindestmenge beträgt. Diese
Mindestmenge hängt von der Wellenlänge des Lichtes ab. (Photoeffekt)

Max Planck hat die Spektralverteilung des schwarzen Körpers berechnen
können. Vorher konnte man mit bestimmten Annahmen nur jeweils eine
Hälfte der Kurve ausrechnen. Planck nahm an, daß Licht einer Frequenz vom
schwarzen Körper nur in (vielen, winzigen) Portionen abgestrahlt werden
kann. Die Lichtportionen (Quanten) haben die Energie E = h*Frequenz.
Die Naturkonstante h wurde zu seiner Ehrung Plancksches Wirkungsquantum
benannt. Diese Erkenntnisse legten den Grundstein für die moderne Physik
und Chemie. In diesen Hundert Jahren seither hat man verstanden, wie
sich Atome aufbauen und warum die Elektronen nicht in den Kern stürzen.
Man konnte endlich die Spektren von Substanzen vorhersagen oder
nachträglich berechnen. Bis heute hat sich diese Grundannahme von Planck
immer nur bestätigt. Eine chemische Reaktion von Zellgewebe bei 10GHz
würde hart an der Physik kratzen. Ein Nobelpreis wäre Dir sicher. Aber
den kriegst Du nur mit harten Fakten und Meßdaten, nicht mit Mutmaßungen
aus Artikeln vom Bürgerbund gegen Handymasten.

Die Quantenobjekte, die man Molekül nennt, können verschiedene
energetische Zustände haben, die sich u.a. in ihrer Energie
unterscheiden. Trifft ein Lichtquant der Energie E auf ein Molekül,
ändert sich nur dann der Zustand des Moleküls wenn es einen möglichen
Zustand gibt, der sich vom bisherigen um genau E unterscheidet.

Ausnahme: Wenn E größer oder gleich der Energie ist, die zur Trennung
von Molekülbestandteilen notwendig ist, dann trennen sich die Teile und
nehmen den Überschuss als Bewegungsenergie mit.

...

Gammastrahlen knacken jedes beliebige Molekül, indem sie Elektronen
rauskicken.

Auch Röntgen, UV und sichtbares Licht haben Energien oberhalb von
chemischen Bindungen.

Je größer die Wellenlänge (je kleiner die Frequenz), um so
wahrscheinlicher ist es daß nicht immer eine Zerstörung passiert.
Auch die sofortige Abstrahlung durch Rückkehr zum Ausgangszustand ist
möglich. Oder das Molekül verteilt die Energie auf andere Zustände
seiner selbst oder von Nachbarn ( das nennt man Erwärmung).

Frage: Ab welcher Frequenz kann denn Strahlung dazu führen, daß irgendwelche
Effekte in den Molekülbindungen, Polarisierung o.ä. auftreten?


Im Infraroten gibt es Energiequanten die schwache Bindungen trennen
können. Z.B. Wasserstoffbrücken. Selbst das ist nicht unbedingt
gefährlich, denn dann dürften wir nie in die Sonne gehen.

Im fernen Infraroten gibt es kaum noch etwas, das Moleküle in ihrer
Struktur ändert. Kein Wunder denn diese Strahlen werden von Körpern bei
Zimmertemperatur ausgesandt. Jede Chemikalie, die fernes Infrarot nicht
verträgt zerfällt in der Hosentasche.

Tja, und dann kommen Terahertzwellen und dann erst Gigahertzwllen und an
deren unterem Ende der Mobilfunk. Ein Mobilfunkquant müßte weit mehr als
die 1000-fache Frequenz haben um chemisch wirksam zu sein. Allerdings
kann es längeren Ketten stärker "zappeln" lassen und so dessen Beitrag
zur Wärmeenergie des Körpers erhöhen. Dieser Effekt läßt sich
aufsummieren bis zur meßbaren Temperaturerhöhung."

siehe http://newsgroups.derkeiler.com/Archive/…2/msg00144.html

Eine Reihe von Erscheinungen, die heute auf "Elektrosensibilität" zurückgeführt werden, gab es wohl schon zu allen Zeiten. Ein Zusammenhang mit der Denunziation der Nachbarin wegen Hexerei und den Hexenverbrennungen im Mittelalter ist wohl nicht allzuweit hergeholt.

Ein Aussterben derartiger Geisteshaltungen ist unter aktuellen Bildungsoffensiven verschiedenster Couleur eher wenig wahrscheinlich.

Meine zehn Cent

73 de Wolfgang DL4WG[/quote]

Olaf

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3

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 16:12

Exzellent, Maestro! Phantastisch!
KEINE EINWAENDE.
===================================
Ohne Verwendung des Begriffs des Wirkungsquantums h war es unmoeglich das
Emissionsspektrum eines schwarzen Koepers zu erklaeren (Planck 1900).
Einstein (1905) erklaerte den photoelektrischen Effekt unter Bezugnahme auf den
Quantencharakter des Lichtes (hat er nicht dafuer den Nobelpreis bekommen?).
Das h haben wir sogar in einem Schuelerversuch an der Oberschule bestimmt.
Die Quantisierung elementarer energetischer Wirkungen (sowie von Raum und Zeit) war
wohl die bahnbrechendste Entdeckung des 20. Jahrhundets.

Energetische Betrachtungen zum Aufbrechen molekularer Bindungen, wie von Dir angestellt,
habe ich zugebenermassen noch nicht angestellt. Das Mutationen Prozesse auf molekularer
Ebene vorausgehen, duerfte allgemeine Akzeptanz finden. Da die Energie direkt proportional
zur Frequenz ist (mit h als Proportionalitaetskonstante) ist das Aufbrechen von Molekuelbindungen
umso wahrscheinlicher, je hochfrequenter die Energie ist (UV, Roentgen usw.).
Ich glaube, dass dieser Aspekt unstrittig ist (siehe UV-Sonnenschutz, zulaessige Roentgenstrahlung usw.)

Das Problem liegt meiner Ansicht nach in einem weiten Graubereich "phaenomenologischer Befunde",
die statistische Zusammenhaenge belegen, aber eben keinerlei Rueckschluesse auf Kausalketten
zulassen.
B und C koennen in jeweils sehr verschiedener Weise durch A verursacht werden, was man in einer
statistischen Korrelation zwischen B und C sehen wird. Waehrend sich aber B und C gegenseitig die Ruebe darueber einhauen, wer Henne und wer Ei ist, lacht sich das abgetauchte A krumm und schief, wie sich beide pelzen. A schuettelt sich und macht sich aus dem Staub, wenn die Polizei zur Aufklaerung kommt.

Es gibt fuer uns weder eine Moeglichkeit noch einen Grund eine statistische Korrelation in eine Kausalkette umzuinterpretieren.
Wir sollten einfach zur Kenntnis nehmen, mit welchen akademischen Chargen man es in dieser Diskussion aufnehmen muss. Wenn sich unsereiner irrt, dann ist es als faellt ein Sack Reis in China um.
Wenn sich ein akademisches Gewicht wie das des Autors (Weltraummedizin ist keine Metaphysik)
irrt, dann kommt das zumindest mental einer Zerstoerung des Lebenswerkes gleich (muss man aber auch nicht so drastisch sehen). Der Unterschied zwischen Gipfel und Ebene ist nunmal hoeher als der
zwischen Kopf und Fuss.

Jedenfalls herzlichsten Dank fuer Deine profunde Kritik!
Ich begnuege mich in solchen Faellen einfach damit, die phenomenologischen Befunde als
Tatsachenfeststellung ohne Interpretation und Wertung im Raum stehen zu lassen.
Wenn man den Studien keine Schwaechen nachweisen kann (kann ich im vorliegenden Fall sowieso nicht),
dann kann man das erstmal in die Schmetterlingssammlung mit aufnehmen.
Spaeter wird man vielleicht im Kontext mit anderen Daten sehen, ob man Kausalketten
ueber andere physiologische Wirklinien feststellen kann.
Krebs ist der extremste, aber nur einer von vielen moeglichen Auswirkungen. Und ob diese
anderen ueberhaupt "Attention" verdienen oder im "Rauschen des Lebens" (z.B. EBD = Eisbein, Bier und Diesel) einfach untergehen, ist voellig offen.

Weiterhin frohes Funken! Seid immer bereit fuer Diskussionen ueber physikalisches und metaphysisches
Wurzelwerk.
Amateurfunk ist sehr gesund, weil es der Seele und inneren Befindlichkeit wohl tut.

vy 73
Olaf

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